Die Branchenorganisationen BOB Butter und BSM Schweizer Milchpulver sind die zwei grossen Unbekannten im Schweizer Milchmarkt. Braucht es sie heute noch? Wir fragten die relevanten Verbände der Schweizer Landwirtschaft und Wirtschaft:

  1. Welche Rolle spielen die BOB Butter und BSM Milchpulver im Schweizer Milchmarkt?
  2. Wie sinnvoll sind diese beiden Branchenorganisationen heute noch?
  3. Wäre es nicht zielführender, wenn sie in die BOM Milch integriert würden?
  4. Was würde gegen eine Integration in die BOM Milch sprechen?

AboGesellschafter der BOB Butter sind die Schweizer Butter-Hersteller Cremo AG,die Mittelland Molkerei AG (Emmi)sowie die Molkerei Fuchs AG und dieSchweizer Milchproduzenten SMP.Milchmarkt SchweizDie unbekannten Branchenorganisationen: BOB Butter und BSM Schweizer MilchpulverMittwoch, 24. Mai 2023 Geantwortet haben der Schweizer Bauernverband SBV, der Berner Bauern Verband (als grösster Kantonalverband), die Labels IP-Suisse und Bio Suisse, die IG Bauern Unternehmen (Interessengemeinschaft für «eine moderne, produzierende Landwirtschaft») und Big-M (Bäuerliche Interessengemeinschaft für fairen Milchmarkt).

Alle diese Bauernverbände würden die BOB Butter und/oder die BSM Schweizer Milchpulver in die BOM Milch integrieren


Schweizer Bauernverband SBV (Martin Rufer, Direktor)

  1. Die beiden Organisationen kümmern sich um spezifische Anliegen im Butter-Markt und Milchpulver-Markt. Bedeutend ist die Führung der nationalen Buttermarken «Floralp» und «Die Butter».
  2. Die BOB Butter hat insbesondere wegen den Markenrechten an «Die Butter» durchaus eine Bedeutung. Auch bei der Bewirtschaftung der Importe hat die BOB Butter eine Bedeutung. Die BSM Milchpulver hat an Bedeutung verloren.
  3. Die Aktivitäten der BSM Milchpulver könnte im Sinne einer schlanken Organisation in die BOM Milch überführt werden.
  4. Bei der BSM Milchpulver spricht nichts gegen eine Integration in die BOM Milch.

Berner Bauern Verband (Karin Oesch, Geschäftsführerin)

  1. Die BOB Butter und BSM Milchpulver überwachen den Markt bezüglich Menge an verfügbarer Butter und Milchpulver.
  2. Der Berner Bauern Verband würde es begrüssen, wenn die Kommunikation der BOB Butter und BSM Milchpulver gegenüber den Milchproduzenten verbessert wird.
  3. Aufgrund der intransparenten Kommunikation der beiden Branchenorganisationen ist für die Milchproduzenten im Kanton Bern unklar, welche weiteren Rolle sie im Milchmarkt wahrnehmen.

Bio Suisse (Andreas Bisig, Leiter Märkte)

  1. Für den Schweizer Bio-Milchmarkt spielen die Organisationen untergeordnete Rollen. Die BOB Butter ermöglicht eine transparente Verfolgung der Bio Butter-Lagerbestände.
  2. Aus Sicht von Bio Suisse wäre eine Vereinfachung der Strukturenin der Milchbranche sinnvoll.
  3. Das wäre ein zukunftsgerichteter Entscheid.
  4. Gegen eine Integration der beiden anderen Branchenorganisationen in die BOM Milch würde nichts sprechen.

IP-Suisse (Christoph Eggenschwiler, Geschäftsführer)

  1. Durch die Standardisierung von Trinkmilch und anderen Milchprodukten auf ein festgelegtes Fett-Niveau fällt im Verarbeitungsprozess mehr oder weniger Fett an – das Ausgangsprodukt für Butter. Butter ist damit ein wichtiges Regulierungsprodukt. Und die BOB Butter spielt eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung der Butterpreise und der Absatzregelung. So wird auch der Milchpreis stabilisiert.
    Die BSM Schweizer Milchpulver spielt eine ähnliche, stabilisierende Rolle, da rund ein Viertel der Schweizer Milch getrocknet wird. Dazu steht mit dem Milchpulver ein wichtiges Produkt zum Beispiel für die Schokoladen-Industrie zur Verfügung.
  2. Im aktuellen Milchmarkt sind die Rollen von BOB Butter und BSM Milchpulver klar verteilt. Ich sehe nicht, dass da grossen Bewegungen möglich sind.

Bauern Unternehmen (Samuel Guggisberg, Präsident)

  1. Die Rolle der BOB Butter und BSM Schweizer Milchpulver kann heutzutage als untergeordnet bezeichnet werden.
  2. Die BOB Butter ist wenigstens noch sinnvoll zur Sicherstellung der Butterversorgung. Es wird aber oft zu Ungunsten der Milchproduzenten entschieden.
  3. Es wäre zielführender, wenn die BOB Butter und BSM Schweizer Milchpulver in die BOM Milch integriert würden. Wichtig ist, dass die komplette Schweizer Milch über eine Plattform dreht.
  4. Gegen eine solche Integration in die BOM Milch würde Nichts sprechen.Es wäre eine grosse bürokratische Vereinfachung.

Big-M Milchbauernorganisation (Werner Locher, Sekretär)

  1. Als Nebeneffekt der Sömmerung von Jungvieh und Milchkühen haben wir in den Frühjahrs-Monaten ein grosses Milchaufkommen. Diese Mengen, aber auch die Milch von Feiertagen, mussten früher zu Butter und Pulver verarbeitet werden. Für diese Ausregulierung spielten die BOB Butter und BSM Schweizer Milchpulver eine Rolle.
    Heute wird der Grossteil dieser Mengen von den Milchhändlern ZMP, Mooh und Aaremilch in den eigenen Grosskäsereien zu einem Emmentaler-Imitat (Grossloch-Käse) verarbeitet. Damit werden diese zwei Branchenorganisationen praktisch bedeutungslos.
  2. Nach meinem Kenntnisstand hat nur die BOB Butter noch die Aufgabe, die geregelte Butterversorgung des Inlandes sicher zu stellen. Dies wird in Zeiten von Butter-Knappheit immer bedeutender.
  3. Ich denke, es wäre zielführender, wenn die BOB Butter und BSM Milchpulver in die BOM Milch integriert würden. Es liesse sich dabei Geld sparen.
  4. Den Entscheid, Importgesuche für Butter zu stellen, fällt schon lange in die Kompetenz der BOM Milch. Es ist meiner Ansicht nach richtig, dass die BOB Butter jeweils das Importkontingent ersteigert. Ich bin mir aber nicht sicher, ob dies die BOM Milch auch dürfte.

DossierProduktion und VerarbeitungMilchmarkt SchweizDienstag, 21. Februar 2023

Branchenorganisation BOM Milch (Stefan Kohler, Geschäftsführer)

Welche Rolle spielen die BOB Butter und BSM Milchpulver im Schweizer Milchmarkt? Wie sinnvoll sind diese Branchenorganisationen heute noch?

Aus Sicht der BOM Milch sind getrennte Organisationen nach wie vor sinnvoll und wichtig.

Die BOB Butter und BSM Milchpulver nehmen verschiedene Aufgaben wahr im Bereich Marktordnung (zum Beispiel den Warenausgleich unter den Mitgliedern), bei der Butter-Markenführung und beim Marketing im Interesse ihrer Mitglieder.

Hat man sich in der BOM Milch schon einmal Gedanken gemacht über eine Integration der BOB Butter und BSM?

Die Trägerorganisationen der BOB Butter und BSM Milchpulver sind auch Mitglieder der BOM Milch und zum grossen Teil in unserem Vorstand vertreten.

Die Idee einer engeren Zusammenarbeit ist nicht neu und wird von Zeit zu Zeit diskutiert. Im Fall der Importgesuche für Butter praktizieren wir zum Beispiel zur Zufriedenheit aller Akteure eine Arbeitsteilung, bei der die jeweiligen Stärken zum Tragen kommen. Die BOB Butter und BSM haben ihren Platz, wir haben unseren.

Wenn die Träger der BOB Butter (Emmi, Cremo, Fuchs und SMP) gemeinsam zum Schluss kämen, eine Integration wäre sinnvoll und effizienter, wäre dies bereits geschehen. Das gleiche lässt sich auch für die etwas weniger bedeutende BSM Milchpulver sagen.

Was würde gegen eine Integration in die BOM Milch sprechen?

Die BOB Butter ist Eigentümerin der Marken «Floralp» und «Die Butter». Diese Marken haben einen grossen Wert.

Die BOM Milch ist von unserer Mitgliederstruktur und den bisherigen Aufgaben her weder geeignet noch richtig aufgestellt, um Eigentümerin dieser kommerziellen Marken zu werden. Falls die BOB Butter aufgelöst würde, müsste man die Markenrechte wohl unter den heutigen Mitgliedern aufteilen.


Schweizer Milchproduzenten SMP (Stefan Hagenbuch, Direktor)

Welche Rolle spielen die BOB Butter und BSM Milchpulver im Schweizer Milchmarkt? Wie sinnvoll sind diese Branchenorganisationen heute noch?

Für die Marktordnung im Bereich Butter hat die BOB Butter aktuell eine sehr wichtig Funktion. Zu den Kernaufgaben gehören:

  • Markenbewirtschaftung «Floralp» und «Die Butter» inklusive Einkauf der primären Butterverpackungen.
  • Qualitätskontrolle, aktuell zum Bei-spiel Kohlenwasserstoffe, Mosch usw.
  • Gemeinsame Importstelle Butter
  • Warenausgleich Inlandbutter und Importbutter
  • Marktübersicht

Grundsätzlich kann gemäss Verordnung des Bund zwar auch heute jedermann ein Importgesuch für Butter stellen. Diese Diskussion haben wir für die Milchproduzenten aber in den letzten Jahren aus verhandlungstechnischen Gründen gezielt in die BOM Milch transferiert. Bei dieser Diskussion ist allerdings das fachliche Know-how weiterhin notwendig.

Mit der Aufgabe der gemeinsamen Intervention bei Milchpulver 2008 ist der Stellenwert der BSM Schweizer Milchpulver deutlich gesunken. Sie nimmt heute faktisch noch statistische Aufgaben wahr und nimmt Position zu pulverspezifischen Fragen und Positionen. Diese Aufgaben müssen aufgrund der Grösse irgendwo angegliedert sein, wo das Fachwissen da ist.

Beide Organisationen sind relevant, weil sich dort die richtigen Akteure mit dem jeweiligen Fachwissen gemeinsam treffen.

Hat man sich in der SMP schon einmal Gedanken gemacht über eine Integration der BOB Butter und BSM Milchpulver in die BOM Milch?

Wir machen uns selbstverständlich periodisch dazu Überlegungen. 2022 haben wir dazu konkret eine breite Diskussion zur BOB Butter abgeschlossen und die weiter oben aufgelisteten Instrumente überprüft. Wie gesagt ist die enge Zusammenarbeit sehr relevant.

Was würde gegen eine Integration in die BOM Milch sprechen?

Die Aufgaben der BOB Butter und BSM Milchpulver sind nicht deckungsgleich mit der BOM Milch.