Biologischer und konventioneller Pflanzenbau unterscheiden sich in Art und Menge der Stickstoffdünger. Hofdünger sind in beiden Anbauweisen wichtig. Der Stickstoff des Hofdüngers wird zwar kurzfristig von Kulturpflanzen weniger effizient genutzt als jener aus Mineraldüngern. Dafür verbleibt aber mehr davon im Boden und fördert die Bodenfruchtbarkeit. Das gilt innerhalb der Saison, wie sieht es aber auf längere Sicht aus?

Die ETH-Gruppe für Pflanzenernährung hat zusammen mit Agroscope und FIBL über 35 Jahre mit dem sogenannten «DOK»-Versuch untersucht, wie sich die Stickstoffbilanzen, die Nutzungseffizienz und Bodenvorräte unter der Düngung im biologischen und konventionellen Anbau entwickeln.

Die Ergebnisse zeigen, dass Stickstoff aus Hofdüngern langfristig ähnlich gut genutzt wurde wie Mineraldünger. Der Humusgehalt, der Stickstoffvorrat und damit die Bodenfruchtbarkeit im Boden blieben erhalten, ausser wenn die Stickstoffbilanz negativ wurde.

Symbiotisch fixierter Stickstoff war unter jeder Anbauweise eine hohe, bislang unterschätzte Zufuhrgrösse. Dies zeigt, wie wichtig vielfältige Fruchtfolgen mit Klee-Graswiesen und Körnerleguminosen sind.

 

Kommentar von Hans-Martin Krause, Departement für Boden­wissenschaften, FIBL Schweiz: Effizientes Düngen: Auf Höchsterträge verzichten? [IMG 2]

Für die vorliegende Studie analysierten Astrid Oberson und ihr Team Langzeitdaten aus dem DOK-Versuch bei Therwil BL. Dieser Versuch läuft seit 1978 und ist der weltweit bedeutendste Langzeit-Feldversuch zum Vergleich biologischer und konventioneller Anbausysteme.

Ihre Forschung zeigt, dass Stickstoff aus Hofdüngern langfristig von Pflanzen gut aufgenommen wird. Dies erklärt die überraschend hohe Effizienz in organisch gedüngten Systemen. Es wird aber auch deutlich, dass neben einer effizienten Stickstoffausnutzung auch ein stabiler Bodenvorrat wichtig ist. Eine ausschliessliche Nutzung von mineralischem Dünger kann langfristig die Bodenqualität verschlechtern. Die langfristig gute Verfügbarkeit von Stickstoff aus Hofdüngern bedeutet, dass es durchaus Einsparungspotenzial bei der Ausbringung von Stickstoff in gemischten Betrieben gibt, wenn man kurzfristig auf Höchsterträge verzichten kann.